Casa Batlló

Detall de la façana de la Casa Batlló

Entstehung

1904 - 1906

Adresse

Passeig de Gràcia, 43, Barcelona

https://www.casabatllo.es

Gehört zu

In einer Zeit von nicht mehr als eineinhalb Jahren stellte Gaudí eines seiner wichtigsten und bezeichnendsten Werke fertig. Auch wenn es auf den ersten Blick anders erscheinen mag: die Casa Batlló ist kein von Grund auf neues Gebäude; es handelt sich vielmehr um den Umbau eines bereits vorher existierenden Hauses. Die ebenso radikale wie geniale Behandlung von Farben und Formen, so wie sie vorher noch nie an der Fassade eines Bauwerks zu sehen waren, hat die Casa Batlló schnell zu einer Ikone des neuen Barcelona werden lassen.

Die vom Volksmund auch als das „Haus der Knochen“, das „Haus der Masken“, das „Haus des Gähnens“ oder das „Haus des Drachen“ bezeichnete Casa Batlló steht für den Abschnitt der höchsten konstruktiven Reife des Architekten, verkörpert die ideale Kombination zwischen Kunst und Funktionalität, zwischen Architektur und Design, und ist der Schlüssel zum Verständnis der wahren Bedeutung des katalanischen Modernisme.

DER „APFEL“ DER ZWIETRACHT

Emili Sala Cortés war es, der 1877 das Haus am Passeig de Gràcia Nummer 43 errichtet hatte. Nach und nach konzentrierten sich um die Jahrhundertwende gerade hier, im Einzugsbereich dieses Häuserblocks, neue Werke berühmter Architekten, so etwa die Casa Amatller von Josep Puig i Cadafalch oder die Casa Lleó-Morera von Lluís Domènech i Montaner, die allseits Bewunderung hervorriefen und seitens der Kundschaft als Zeichen gesellschaftlicher Distinktion galten. Die satirische Presse hingegen stand dem Phänomen eher kritisch gegenüber, und das, was der Volksmund wortspielerisch als „Apfel (in der katalanischen Bedeutung von „Häuserblock“) der Zwietracht“ bezeichnete, definierte mit aller Schärfe die unter den Architekten und den von ihnen entworfenen Fassaden bestehende Rivalität.

Gaudí war der letzte, der sich dieser Herausforderung stellte, und dies im vollen Bewusstsein dessen, was seine berühmten „Nachbarn“ bereits hinterlassen hatten. Sala verkaufte sein Haus 1903 an den Textilunternehmer Josep Batlló i Casanovas, welcher sich ein Jahr später an Gaudí wandte mit dem Auftrag, das Gebäude vollständig zu renovieren. Und so geschah es dann auch.

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EINE FASSADE VOLLER FANTASIE UND LEGENDEN

Aufgrund ihrer einzigartigen Komposition voller Fantasie und Farbe ist die Fassade der Casa Batlló auf der ganzen Welt bekannt. Seiner Chromatismus und die damit einhergehenden vertikalen Ondulationen haben dazu geführt, dass man sie bisweilen mit Claude Monets Seerosenbildern verglichen hat. Andere wiederum bringen das Gebäude mit karnevalesken Elementen in Verbindung: der obere Abschluss der Fassade bietet sich wie der Hut eines Harlekins dar, die bunte Mosaikverkleidung erinnert an Konfetti, und die Balkone scheinen ihrer Form nach Masken zu sein. Der offensichtlichste Bezug aber besteht zur Legende des heiligen Georgs: Ganz oben wölbt sich der Buckel des Drachen, das Kreuz auf dem Dach entspricht der Lanze des Drachentöters, der Balkon der Prinzessin bietet sich als offene Blume dar, und im ersten Stock dann finden sich die Knochen der vom Untier getöteten Opfer.

Abgesehen von allen möglichen Interpretationen ist diese Hauptfassade ein wahres Kompendium von strukturellen und formalen Ideen, denen man auch im restlichen Haus wieder begegnet. Erwähnt seien hier etwa die fantasiereich als eine Art Pilze ausgeformten Schornsteine auf dem Dach, die rückwärtige Fassade mit ihrem Formen aus Natur und Geometrie darstellenden Keramikmosaik oder der einmalig schöne Lichthof, in dem Gaudí die Größe der Fenster und die Farbe der keramischen Verkleidung in progressiver Abstimmung dem zunehmenden Lichtbedarf der weiter unten gelegenen Räume anpasste.

LEBEN IM BAUCH EINES DRACHEN

Der erste Stock entspricht der Beletage des Hauses, in der einst die Familie Batlló residierte. Besonders beeindruckend ist hier der große Salon mit Blick auf den Passeig de Gràcia, ein Raum voller Licht und wellig geschwungenen Formen. Die ausgefallene Anordnung der Decken und eine äußerst aufwendige Dekoration, die überall mit Licht und Schatten spielt und allen Wänden eine wellenförmige Ausformung verleiht, lässt erkennen, welch große Aufmerksamkeit Gaudí damals gerade diesem Saal gewidmet hat. Die Fassade besteht hier aus Stein, und die Galerie zeigt an ihren Fenstern erneut wellig gewundene Formen, die sich niemals wiederholen, während die Säulen sich in Gestalt von Knochen und Gelenken darbieten.

Über dieser Hauptetage waren vier Stockwerke für Mietwohnungen vorgesehen, und ein fünfter Stock sollte als Dachboden für Betriebs- und Lagerzwecke zum Einsatz kommen. Dieser Speicher ist ein ganz besonders suggestiver, evokativer Raum, der sich in einer Abfolge von sich elegant öffnenden Kettenbögen in maximaler Reinheit darbietet und den Besucher in den Bauch des Drachen zu versetzen scheint. Im Zuge der von ihm vorgenommenen umfassenden Erneuerung des ursprünglich von Emili Sala erbauten Hauses entschied sich Gaudí für eine Erweiterung des für den Treppenaufgang und den Aufzug vorgesehenen Bereichs und sah so einen Lichthof vor, dessen in blauer Farbe gehaltene Keramikverkleidung in ihrem oberen Bereich für mehr Intensität, weiter unten aber für mehr Helligkeit sorgt. Auf diese Weise ergibt sich nicht nur eine gleichmäßige Verteilung des einfallenden Lichts, sondern es entsteht irgendwie auch der Eindruck, auf wogender See zu sein. Nicht umsonst fühlt man sich beim Anblick dieses Hofs an Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer erinnert.

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AUF DEM DACH EIN WALD VON KAMINEN

Über zwei Wendeltreppen erreicht man vom Dachboden aus die Dachterrasse, auf der sich eine Vielzahl von Schornsteinen, allesamt mit farbigem Glasmosaik überzogen, in überraschenden Farbkombinationen zusammenfinden. Die Dachterrasse der Casa Batlló ist eine der wohl spektakulärsten Arbeiten, die Gaudí je geschaffen hat. Angelegt auf den Parabelbögen des Dachbodens, bietet sich die Terrasse dar als ein rechteckiger Raum, der in seiner Mitte von den Oberlichtern der Innenhöfe unterteilt wird. Im vorderen Bereich befindet sich ein großer Raum, in dem einst am höchsten Punkt der Hauptfassade die Wassertanks untergebracht waren. Mit dieser Auslegung gelang es Gaudí, einer funktionellen Notwendigkeit der damaligen Zeit, in der die öffentliche Wasserversorgung nicht mit dem für einen höheren Komfort entsprechenden Druck erfolgte, einen ästhetischen Sinn zu geben – eben die rau ruppige Rundung des Drachenrückens. Das aber, was sich von außen her als die Schuppen des gewundenen Untiers darstellt, scheint auf der Innenseite, wo es als Abschluss der Terrasse dient, die Schale eines Krebses zu sein, farbig meisterhaft abgestuft in Tönen, die von leuchtendem Orange bis zu hellstem Weiß gehen.

Die vier Schornsteingruppen auf der Dachterrasse haben eine Höhe von 6,10 Metern und sind mit Glasscherben und mehrfarbigem Keramikmosaik floralen Charakters überzogen. Das Ganze steht auf halbem Weg zwischen dem Schornsteinwald auf dem Dach des Güell-Palais (1888) und der Casa Milà (1910). Mit der besonderen Ausführung der Schornsteine konnte übrigens verhindert werden, dass der Wind bei ungünstiger Wetterlage in den Kamin drückt. 

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SPÄTE AUSZEICHNUNGEN

Eine einstimmige Anerkennung der Einmaligkeit und der Schönheit des Gebäudes ließ auf sich warten. Der von der Stadt Barcelona jährlich für künstlerische Gebäude ausgeschriebene Preis wurde der Casa Batlló zweimal verwehrt, und zwar 1906 zugunsten der Casa Lleó i Morera von Domènech i Montaner und 1907 zugunsten des Col·legi Comtal von Bonaventura Bassegoda i Amigó. Zur gerechten Würdigung kam es schließlich 1962 mit der Aufnahme der Casa Batlló in den Katalog des kulturellen Erbes der Stadt Barcelona. Im Jahr 1969 wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt und 2005 erfolgte die Aufnahme in den Katalog des Weltkulturerbes der UNESCO. Ein Jahr später bekam das Bauwerk den von Europa Nostra Awards verliehenen Preis The Best in Heritage in Anerkennung der ausschließlich mit privater Finanzierung erfolgten vollständigen Wiederherstellung und Restaurierung des Gebäudes.

ÖFFNUNGSZEITEN

 

Montag bis Sonntag von 9.00 bis 21.00 Uhr

 

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL

 

Bus: H10, V15, 7, 22, 24

U-Bahn: L2 / L3 L4 - Passeig de Gràcia

FGC: Provença

RENFE: Passeig de Gràcia

 

STADTRUNDFAHRTEN

 

Bus Turístic: Route Nord und Süd Casa Batlló – Fundació Antoni Tàpies

Barcelona City Tour: Haltestelle 3 A, Passeig de Gràcia-Casa Batlló

Barcelona Guide Bureau: Gaudí Tour (Pack für die Führung durch drei Werke des Architekten).

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